Warum wurde das Grundgesetz nicht Verfassung genannt?

Das „Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland“ wurde 1949 deswegen nicht als Verfassung bezeichnet, weil man davon ausging, dass die Wiedervereinigung nur eine Frage von ein paar Jahren sei. Man meinte, durch die Betitelung als Grundgesetz würde diese Verfassung nicht so definitiv und beständig klingen wie unter der Bezeichnung „Verfassung“.

Tatsächlich ist „Grundgesetz“ aber lediglich eine von verschiedenen traditionellen Bezeichnungen für eine geschriebene Verfassung.

Wie kann eine Verfassung ungeschrieben sein?

Ungeschriebene Verfassungen bauen auf Gewohnheitsrecht auf. Wenn dieses Gewohnheitsrecht von der Rechtswissenschaft als verbindlich anerkannt ist, wirkt es genauso wie eine geschriebene Verfassung. Bestes Beispiel hierfür ist das Vereinigte Königreich (Großbritannien).

Zudem gibt es normalerweise auch in gewohnheitsrechtlich geprägten Verfassungsordnungen geschriebene Gesetze, die einzelne Aspekte dessen regeln, was normalerweise in einer geschriebenen Verfassung stünde.

Was ist eine Verfassung?

Eine Verfassung im weiteren Sinne ist die Gesamtrechtsordnung eines Staates. Sie beinhaltet insbesondere

  • die Organe des Staates,
  • ihre Rechte und Pflichten,
  • ihr Verhältnis zueinander,
  • den Aufbau des Staates,
  • die Kompetenzen der staatlichen Ebenen zueinander und
  • meist auch die Grundrechte der Bürger.

Eine Verfassung im engeren Sinne ist das Dokument, in dem die Verfassung im weiteren Sinne geregelt ist. Eine solche geschriebene Verfassung wird auch als Grundgesetz bezeichnet.